Geschichte des schwarzen Schmucks

In den 1860er Jahren hatte die Gablonzer Bijouterieproduktion bereits hundert Jahre Entwicklung hinter sich. Sie hatte sich nicht nur im heimischen Bewusstsein dauerhaft durchgesetzt; auch im Ausland wurde sie ernst genommen, und nach Jablonec kamen wachsende Bestellungen auf nachweislich „Gablonzer“ Ware.

Die Gunst der Zeit, die am Kleid den Glaszierrat betonte, brachte in den 1860er Jahren eine Konjunktur, wie sie das Isergebirgsvorland bis dahin nicht gekannt hatte. Die Anforderungen ausländischer, oft exotischer Märkte und die formale wie funktionale Eigenart dieses Schmucks für die verschiedensten Völker aller Erdteile taten das Ihre. Ungewohnte Anregungen, oft fertige Muster von außen, schränkten die eigenständige schöpferische Arbeit der Bijouteriehersteller immer mehr ein. Der Druck des unpersönlichen fremden Marktes führte rasch zur Massenimitation und Abwandlung fremder, vorwiegend französischer Forminnovationen.

In dieser Konjunktur der Mittelmäßigkeit behielt nur der Glasknopf eine besondere Stellung; nach 1864 nahm er in der Mode den Weltvorrang ein. Aus seinen technologischen Gewinnen ging zur gleichen Zeit noch ein weiterer Artikel hervor, der an das Beste der Bijouterieschöpfung anknüpfte, ganz zur Vorherrschaft des Glases zurückkehrte und das Gablonzer Erzeugnis zu einem völlig eigenständigen, ursprünglichen Schmuck erhob. Ende der 1860er Jahre wurde daraus die schwarze Bijouterie.

In ihren Anfängen entsprang sie der erstarkenden Nachfrage — vor allem des europäischen Marktes — nach leichtem und wertvollem Kleid- und Hutzierrat. Neben bewährten Broschen und Knöpfen fertigte man am häufigsten Haarspangen, Kämme und Nadeln. Der eigentliche Aufschwung der schwarzen Bijouterie stand jedoch erst noch bevor.

Die Neuheit — die Technik des Lötens mit Zinn, die der kleine Tanwalder Hersteller Karel Fischer bei der Firma Naudascher et Kahn in Stuttgart kennengelernt hatte — auf die schwarze Bijouterie zu übertragen, war nur eine Frage der Zeit, geeigneter Petroleum-Lötlampen und der Erfahrung. Das Ergebnis war revolutionär und in seinen späteren wirtschaftlichen Folgen bedeutsamer als das Nieten.

Es wurden dieselben Steine verwendet; nur die eingeschmolzenen Nieten wurden durch das Eindrücken eines messingenen Hohlröhrchens oft winziger Abmessungen ersetzt. Ein entworfenes Muster schwarzer Bijouterie — etwa Spange, Nadel, Brosche, Kleidschmuck oder Haarkamm — wurde in Gips gegossen; der Abguss diente dann als Matrize für die Serienfertigung. Die einzelnen Glassteine wurden auf Draht gelötet. Die Drahtkonstruktion ersetzte so eine schwere Metallunterlage; das Nieten wurde durch Weichlöten abgelöst. Es entstand maximal erleichterter Schmuck: der Metalluntergrund war auf das Mindeste beschränkt, der reine Schliff des schwarzen Steins beherrschte das Stück.

Die neue Technik vervielfachte die Formmöglichkeiten der schwarzen Bijouterie bis an die Grenzen der Entwerferfantasie. Zudem verlangte sie weder besondere vorausgehende handwerkliche Fertigkeiten noch Kapitalinvestitionen in teure ausländische Metallpresslinge, die noch immer aus Frankreich eingeführt wurden. Sie war das, was die Iserlandschaft am meisten brauchte — typische Heimarbeit. Das Weichlöten mit Zinn entsprach am besten dem Charakter des Schmucks und seiner heimischen Produktionsbasis, der verstreuten manufakturellen Hausindustrie um Smržovka.

Die enorme Nachfrage nach so hergestellter Bijouterie brachte in den 1890er Jahren den Jettenschmuck zu einem hohen Grad der Vollkommenheit. Mit dem Tod der englischen Königin Victoria (1901) wurde aus der schwarzen Bijouterie der Trauerschmuck der Länder des Britischen Empire. Er wurde Weltmode. Seine Herstellung und formale Reinheit erreichten einen Gipfel, der nie wieder übertroffen wurde.

Die Balkankriege und rasch wechselnde Modeschwankungen führten zu häufigeren und immer länger andauernden Krisen. Qualitätsware wurde durch entwertete Erzeugnisse ersetzt. Die starke Konkurrenz der Metallbijouterie zwang die Hersteller von Glaswaren, im schwarzen Schmuck zu arbeiten. Das Brot wurde knapper für alle.

Die Weltwirtschaftskrise erfasste allmählich alle Zweige des Gablonzer Unternehmertums. Die schwarze Bijouterie, die achtzig Jahre lang Modeschwankungen und Krisen erfolgreich widerstanden hatte, hatte keine Kraft mehr zum Widerstand.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde versucht, sie am Ort ihrer Entstehung wiederzubeleben. In den Betrieben der einst berühmten Firma Feix in Jiřetín erlebte sie noch zwei oder drei Jahre ihrer Renaissance. Dann endete auch das.

Sie geriet in Vergessenheit wie so viele einst berühmte Zweige der Gablonzer Industrie. Vergessen wurden ihr Herstellungsverfahren und ihre technologischen Besonderheiten. Nur irgendwo auf Dachböden überdauerten Lager edler Halbfabrikate — geschliffene Glassteine aller Größen und Formen, jene mit kleinen eingeschmolzenen Gliedern für das Nieten und die jüngeren für das Löten — zusammen mit Zangen, alten Gipsabgüssen, Metallunterlagen, Drähten, Galerien, Schneidwerkzeugen und Matrizen. Und mit ihnen seltene alte Muster.